Müssen Väter mit ihren Kindern spielen?

Ja, unbedingt.

Sind nur  spielende Väter, gute Väter? Zweifellos, eine sehr persönliche Frage, weil am Schluss soll es ja nicht die Gesellschaft entscheiden, was Mann (und Vater) machen “soll”, sondern es soll zum einen deren Kindern und auch den Vätern selber entsprechen. Die Frage ist insbesondere schwierig, da man ein wirkliches “Feed-back” von den Kindern erst nach 18 bis 20 Jahren erhält. Und ich mag diese klare und allzu klassische “Ansicht nicht, was es so zu tun und zu lassen gibt. Aber schauen wir uns etwas die pädagogische Ansicht an, pro und contra, wobei die pro-Seite einfacher zu finden ist: 

Da Papas meist etwas “anders” mit ihren Kindern spielen ist es für eine ausgeglichene Pädagogik vorteilhaft, wenn das Kind mit der Mama und dem Papa spielen kann. Das Kind profitiert von einer Diversität der Speilarten: Viele Väter spielen  etwas “rauer”, und lassen die Kinder herumtollen, spielen in der Tendenz etwas “wilder”.. Und es ist wie so häufig genau diese Diversität zwischen einer Mutter und dem Papa, welche das Kind wachsen und richtig gut entwickeln lassen kann. Von dem her: Ja, Papas spielt und wie ihr es mögt, natürlich immer mit der nötigen Vorsicht, aber spielt.

Gemäss der Psychologin Liselotte Ahnert ist es in der Tendenz so, dass Väter eher auf die Einhaltung der Regeln bestehen we die Mütter, welche eher etwas “durchgehen” lassen. Papas spielen ernsthaft mit und lassen die Kinder nicht einfach gewinnen. So geben sie den heranwachsenden Kindern ein Gefühl für Verlieren, Frust und Fairness mit. Denn, ob man es will oder nicht, Verlieren gehört nunmal zum Leben dazu und muss gelernt sein. Und besser ist es, früh zu lernen, damit umzugehen, die dazugehörige Energie für sich “nutzen” zu können. 

Da ich in der Romandie wohne, profitiere ich auch, die französischsprachige Literatur zu konsultieren und eventuelle Unterschiede mit der deutschsprachigen Herangehensweise zu analysieren. Ein häufig genanntes Argument für das spielen ist in französischsprachigen Artikeln ist der Verbindungsaufbau, welcher einfacher ist mittels eines Spiels, da spielen für Kinder “ihr” Element ist.

„Spielen mit Kindern – kann man machen, muss es aber nicht.”

Es war gar nicht so einfach, gute Argumente gegen das Spielen mit Kindern zu finden. Denn es mutet schon ein bisschen paradox und falsch an, sich argumentativ gegen das gemeinsame Spielen mit Kindern auszurüsten. Aber es gibt sie, diese Argumente. Zwei davon fand ich nachvollziehbar, und eines fand ich überraschend gut (vielleicht auch, weil ich da voll und ganz mitgehen kann).

Eltern sind in erster Linie für das Umfeld zuständig: Sie schaffen die Rahmenbedingungen, damit Kinder gut aufwachsen können. Sie ziehen den Kindern wettergerecht etwas an (oder auch nicht, auch dies sind in minimalen Dosen hilfreiche Lernerfahrungen oder einfach nicht so schlimm – hier spricht ein Vater aus Erfahrung) und sorgen dafür, dass Kinder spielen können: Sie sorgen für andere Kinder, eliminieren unnötige Ablenkungen (Stichwort Tablet) und geben Acht, dass sie ab und zu trinken und etwas „Gesundes“ essen.

Kinder sollen mit anderen Kindern (oder alleine) spielen. Kinder lernen im Spiel untereinander unglaublich viel Sozialkompetenz, die wir als Erwachsene gar nicht bieten können: Sie müssen sich durchsetzen, aushandeln, Regeln definieren, kommunizieren. Klar, das müssen sie mit uns Vätern hoffentlich auch, aber – und da kommt ein grosses Aber – nicht auf die gleiche Weise. Wir Erwachsene nehmen immer Rücksicht, belehren vielleicht auch, haben unsere eigenen sozialen Regeln (die sicherlich supergut sind, aber vielleicht unter Kindern nicht gleich funktionieren), und das Auskommen mit Gleichaltrigen (oder Kindern generell) ist einfach superwichtig und hilfreich. Und unsere Regeln und unsere Sozialkompetenz lernen die Kinder auch ausserhalb des Spiels, im Alltag, in der Interaktion mit uns – da ist unser Mitspielen unnötig.

Die Erwartungen an heutige Eltern sind hoch. Wir sollen bitteschön unsere Kinder fördern, optimal pflegen, bilden, präsent sein und natürlich auch mit ihnen spielen – gerade wir Väter sind dabei gefragt. Dieser zunehmende Erwartungsdruck an Eltern ist ungesund, nicht nötig und kann auch dazu führen, dass wir die Lust an dieser Rolle verlieren – nicht nur wir Väter, sondern an Elternschaft an sich. Die Vorstellung, gute Eltern müssten auch noch die Freizeit ihrer Kinder aktiv bespielen, gehört zu einer Kultur, die Kinder stark ins Zentrum rückt und Erwachsenen immer neue Aufgaben auflädt. Aus Fürsorge wird Anspruch, aus Beziehung wird Leistung. Am Ende sind Eltern erschöpft und Kinder umgeben von Erwachsenen, die alles richtig machen wollen. „Kids first“ ist ein Leitspruch, der zur Überforderung führen kann, und wenn das Spielen mit Kindern dazu führt (es muss das nicht automatisch und bei allen), dann kann man diese Aktivität getrost sausen lassen – oder pausieren. Denn Spielen ist vielfältig und kann einen, je nach Alter, auch unterschiedlich ansprechen.

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